Kleine Restauration

Autor dieses Beitrages ist Z-Stammtischler: AvH

Metallische Farben, wie silber oder gold, auf Modellen sind meist nicht griffest, selbst nicht, wenn sie mit dem von Märklin gut beherrschten Tampondruck aufgebracht wurden. So auch bei diesem Schienenbus, bei dem sich die Zierlinien unter den Fenstern und am Dachrand verabschiedet haben:

Die übrigen Bedruckungen sind bombenfest und unbeschädigt. Es bleibt nur, zum Pinsel zu greifen. Benutzt habe ich einen der Größe 000 und lösungsmittelhaltige Farbe. Zudem lag noch ein Skalpel bereit, um etwaige Ausrutscher oder Verläufe zu entfernen.

Unabdingbar ist, daß man einen guten Tag erwischt, an dem einen nicht Bluthochdruck, Stress, Ärger oder sonstiges die Hand zittern lässt. (Es soll Leute geben, die eine solche Tätigkeit dafür nutzen können, um “wieder runter zu kommen” – ich gehöre definitiv nicht dazu. Dafür muß sich jeder selbst am besten kennen…) Dann frisch ans Werk und mit ganz wenig Farbe an der Pinselspitze losgelegt. Oft kommt man nur wenige Millimeter weit, dann lieber den Pinsel neu in die Farbe tunken, als durch Druckerhöhung noch die Farbe aus dem Pinsel “quetschen”. Letzteres führt unweigerlich zu Übertretungen des zu bemalenden Bereichs. Der ist durch die ausgeformten Leisten ja klar definiert. Auf einer ebenen Fläche ohne die Vorgaben der Modellform würde ich solche Experimente nicht machen, denn das bekäme ich nicht hin. Die Unterarme sollten bis zu den Ellenbogen auf der Arbeitsfläche aufliegen. Als Rechthänder halte ich das Gehäuse in der linken Hand, den Pinsel zwischen Daumen, Zeige- und Mitelfinger und mit ein oder zwei der restlichen Finger stütze ich die rechte gegen die linke Hand ab. Somit kann Bewegung zwischen Gehäuse und Pinsel fast nur durch die Fingerspitzen, die den Pinsel führen, verursacht werden. Unwillkürliche Bewegung aus anderen Teilen beider Hände wirken sich kaum aus, da sie durch die Berührung fast so etwas wie einen Verbund bilden.

Wenn der Pinselstrich dann doch ein wenig breiter als gewollt ausfällt, benutzt man das Skalpell wie eine Abziehklinge und zieht die Farbe entlang der Leistenkante ab. Natürlich nur einen Strich, dann Klinge abwischen, dann den nächsten Strich… Wenn man das vorsichtig macht und die Fehlfarbe nicht so lange einwirken lässt, daß sie die darunter befindliche angelöst hat, dann funktioniert das. Wichtig ist: Nicht kratzen, nicht schaben, sondern wirklich nur die senkrecht zum Gehäuse stehende Klinge drüber ziehen. Ruhe bewahren! Abziehen, abwischen, abziehen, abwischen… So ein vermaledeiter kleiner Tupfer kann einen schon einige Zeit beschäftigen. Darum die Ruhe, Bedächtigkeit und Geduld besser schon aufbringen, wenn man den Pinsel führt.

Sind die Leisten auf der einen Seite eingefärbt ist Feierabend. Die andere Seite kommt erst am nächsten Tag dran. Die Leisten an den Fronten waren glücklicherweise unbeschädigt, denn für die Ürdinger-Raute ist selbst ein 000-Pinsel um mehrere Faktoren zu dick. Am dritten Tag kann man dann noch einen Klarlacküberzug anbringen, in der Hoffnung, daß die Zierlinien damit ein wenig griffester sind.

Autor: AvH