“Dampfende Dampflok” oder “Jugend forscht!”

Autor dieses Beitrages ist Z-Stammtischler: AvH

Von Technik habe ich ja keine Ahnung. Darum schäme ich mich auch nicht des irrationalen Bauchgefühls, welches mir sagte, daß mit einer qualmenden mini-club Lok etwas nicht in Ordnung ist. Dabei handelte es sich doch um eine Dampflok der Baureihe 24…

Am Anfang war die Aufgabe, vor der in den vergangenen Monaten auch die Museumsbahner allerorten standen: Betriebsfähige Fahrzeuge müssen ab und an mal bewegt werden, sollen sie keine Standschäden entwickeln. Dem Schachtelbahner geht es genauso. Also das “Steppenpferd” aufs Gleis und Fahrgerät einschalten – – – nichts! Absolut nichts! Noch nicht einmal ein Lebenszeichen von der Beleuchtung, wie man es von verharzten Loks kennt. Aufmachen und rein schauen ist eigentlich nicht weiter erwähnenswert. Was ich dort fand schon eher, denn ich hatte bislang bei einer solchen Aktion noch nie so dunkel angelaufene Leitbleche vorgefunden. Isopropyl bewirkte gar nichts. Also vorsichtig mit einem ollen Skalpel abziehen; ja da schimmert wieder etwas kupfern. Es war also kratzen angesagt. An manchen Stellen changierte der dunkle Belag ins grün, also Grünspan, wie der “Rost” von Kupfer, ergo Kupferoxyd, heißt. Es galt alle Stellen, an denen Kontakt zu anderen Bauteilen besteht blank zu machen. Diesmal habe ich es mit dem Skalpel erledigt, wenn mir nochmal so ein Fall unterkommt werde ich versuchen, ob es nicht mit der Kleinbohrmaschine und einer Polierscheibe einfacher zu erledigen ist.

An den übrigen Stellen habe ich die “Patina” stehen lassen, da es für die Funktion unerheblich ist. Den Kollektor auf der Motorwelle habe ich auch sorgfältig gereinigt, allerdings nicht mit dem Skalpel, hier reichte Isopropyl und die Trennfugen machten Bekanntschaft mit einer Stecknadel. Die Mechanik bedurfte keiner Behandlung, da keine Ansätze von Verharzung oder sonstige Verschmutzungen vorlagen.

Wieder aufs Gleis und Strom geben. Das Birnchen der Beleuchtung blendete mich fast, aber der Motor machte keinen Mucks, kurz darauf stiegen vom Kollektor Qualmwölkchen auf. “Notaus”. Da bei einer erneuten Begutachtung nichts zu entdecken war, montierte ich auch noch das Motorgehäuse mit den Magneten ab. Bei der genauen Inspektion der Wicklungen des Ankers entdeckte ich das Malheur: Freistehende, angekokelte Drähte außerhalb eines Wicklungspakets.

Sch…ade, bekanntlich ist die BR 24 eine der wenigen Loks, an denen man den Motor nicht einfach heraus nehmen kann und einen neuen einsetzen, da die Motorwelle so mit der Antriebschnecke verpresst ist, daß der ganze Klapperatismus “fest” (außer der Drehmöglichkeit) mit dem Chassis verbunden ist. An Kosten fällt also nicht nur das Ersatzteil, sondern zusätzlich die Montage an. Da wird ein solcher Schadensfall schnell zum wirtschaftlichen Totalschaden. Entäuscht drehte ich das Ding noch unschlüssig in meinen Händen hin und her, in Gedanken, was man damit vielleicht noch anstellen könnte…

Moment, was ist das denn? Dieser Pin da?

Sieht ja fast so aus, als ob in dem undefinierbaren Vergußmaterial ein Draht dahin geführt ist. Sieht auch beim zweiten Pin so aus. Und der dritte Pin, da wo sich der lose Draht befindet, ist blank. Sollte etwa…? Das Ding ist ohnehin kaputt, ergo kann man auch mal experimentell wurschteln. Also provisorisch den losen Draht um den Pin gewickelt und das Ganze unter Strom gesetzt.

DER MOTOR ZUCKTE! Natürlich lief er nicht wirklich an, denn durch die erste Bewegung wurde die Stromversorgung auch gleich wieder unterbrochen, aber der Fehler war gefunden!. (Inzwischen war die Dämmerung angebrochen – ich verfüge nicht über so helle Lampen, um solch feine Arbeiten unter Kunstlicht auszuführen – und das ganze wurde für den nächsten Tag zur Seite gelegt.)

Die Unterbrechung gab Gelegenheit sich darüber Gedanken zu machen, wie man den Draht an dem Pin fixiert. Soweit in dem grünlichen, verschmierten Material erkennbar hat auch Märklin an dieser Stelle nicht gelötet. Und selbst wenn sie es taten, wären meine Bratkünste an der Stelle fehl am Platz. Allein schon das Größenverhältnis des Werkzeugs (dies ist die kleinste Lötnadel die ich kenne, sie hat ungefähr die Dicke einer Kugelschreibermine) zum Werkstück und dann ist die eigentliche Lötstelle auch noch beweglich…

Letztlich habe ich den Draht sorgfältiger als beim Ausprobieren um den Pin gewickelt und getestet. Es funktionierte alles. Dann habe ich final einen Punkt Sekundenklebergel drauf gesetzt und hoffe, daß das jetzt für längere Zeit hält. Zumindest während einer eingehenden Erprobung war dies der Fall.

Man hört ab und an mal von durchgebrannten Motoren. In einem guten Vierteljahrhundert ist mir das bislang noch nie passiert. In diesem Fall dachte ich “jetzt ist es so weit!”. Ich muß aber weiter darauf warten. Ganz ehrlich? Darüber bin ich froh. 😉

Autor: AvH